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15.05.2013 - markus breuß schreibt im mai 2013

„Nach 2012 herrscht auch im Jahr 2013 extreme Trockenheit im Nordosten Brasiliens. Laut Angaben der staatlichen Klimabehörde handelt es sich um die schlimmste Trocken-periode der letzten 60 Jahre!

Die Familien in den ländlichen Gebieten sind von der Trinkwasserversorgung mit Tank-wagen abhängig, die Wasser- und Futtervorräte für die Landwirtschaft sind zu Ende,
die staatlichen Notprogramme dauern oft Monate, bis sie an ihre Bestimmung gelangen. Ein kompletter Ausfall in der Landwirtschaft ist zu verzeichnen, die Tierherden verenden elendig. Eine erneute Migrationstendenz vom Land in die Großstädte ist feststellbar. In den ländlichen Gebieten von der Gemeinde Jacobina im Bundesstaat Bahia ist die Situation nicht anders. Zum Glück ist im zentralen Gebiet von Jacobina, das mitten in einem niederschlagsbegünstigten Gebirgszug liegt, noch Wasser vorhanden.

Die Trockenheit bedeutet auch für die Arbeit des von der TS Göfis unterstützten Vereines ATABAQUE eine besondere Herausforderung. In den ländlichen Gemeinden Baraunas e Malhadinha werden weiterhin regelmäßig Capoeira- und Afrotanz-Kurse abgehalten. Dies ist der Ausgangspunkt, um die Teilnehmer in weitere Aktivitäten einzubinden, zum Beispiel um die lokalen Vereinsstrukturen zu stärken und politische Bildung und kulturelle Aktivitäten zu fördern.

In der Praxis gilt die Sorge der Familien, im Moment jedoch in erster Linie der Trink-wasserversorgung, und wir besprechen, wie die Familien ihr Recht für die Zustellung einer Wasserlieferung durch die öffentliche Hand einfordern können. Eine Schwierigkeit ist, dass der Verein für die Besuche über kein eigenes Kraftfahrzeug verfügt, und es nicht immer möglich ist, sich eines auszuleihen.

Es gibt aber auch erfreuliche Dinge zu berichten! Das Kulturzentrum im Stadtviertel Bananeira in Jacobina, wo die Capoeira- und Afro-tanzkurse und das Senioren-turnen stattfinden, sowie die Bibliothek und der Computerraum untergebracht sind, bleibt in unserer Hand und wir können dort weiterhin unsere Aktivitäten fortführen. Die Aufregung war groß, als wir nach über 6 Jahren Nutzung verständigt worden sind, dass das öffentliche Gebäude nun kommerziell vermietet werden soll und wir unsere Sachen packen müssen! Nach einer großangelegten Unterschriftenaktion und Unterstützungs-erklärungen von „alliierten“ Politikern und Persönlichkeiten ist es uns gelungen, einen Vertrag für die Nutzung von weiteren 2 Jahre zu bekommen.

Die Spenden der Turnerschaft Göfis helfen uns, das Kulturzentrum Quilombo Erê für die Nutzung des Vereines Quilombo Erê instand zu halten, sowie die Capoeira- und Afrotanz Kurse in den umliegenden, ländlichen Gemeinschaf-ten zu realisieren, allfällige Sportgeräte und -utensilien zu erwerben und den Kursteilnehmern zur Verfügung zu stellen.

Hervorheben möchten wir noch, dass unser Junior, der schon zu Besuch in Göfis war, als Kandidat für die Gemeinderatswahlen angetreten ist, um die Interessen der armen Bevölkerung im Stadtrat zu vertreten. Nach einem beispielhaften Wahlkampf - jedoch mit bescheidenen Budgetmitteln - hat er es leider nicht geschafft, aber gemeint: „In
4 Jahren werde ich wieder antreten  und besser vorbereitet sein! Ich gebe nicht auf!“.


Bei Interesse können Sie gerne weitere Fragen über e-mail puravida1@gmx.net an mich richten!

Mit lieben Grüßen und einem herzlichen Dankeschön aus Brasilien,
DI Markus Breuss